Das Bozener Bergsteigerlied – Ein berührender Abschluss beim Fest in Salurn an der Weinstrasse.
Die Südtiroler Hymne erklingt inmitten eines großen, zweisprachigen Publikums – Ein Rückblick auf den musikalischen Höhepunkt des Konzerts am 22. August 2025
Das Bozener Bergsteigerlied, auch bekannt als Südtiroler Heimatlied, ist vielen der italienisch sprechenden Anwesenden, die oft laut Zugaben verlangen, vermutlich unbekannt im Hintergrund. Das würde viele überraschen. Doch die Ansprache zur Eröffnung des Konzerts erfolgt immer zweisprachig, zuerst auf Deutsch und dann auf Italienisch.
Der Vorsitzende des Musikvereins, der als Moderator das Stück erläuterte, konnte die Übersetzung nicht ganz exakt wiedergeben, und das Publikum half spontan bei den fehlenden Worten mit. Alles geschah ohne Mikrofon – die Musikkapelle benötigt keines, deshalb waren die gesungenen Texte oft schwer zu verstehen, wie üblich.
Aber das stört die Leute nicht. Hauptsache, sie verstehen „Salurner Klause“, dann ist das für sie wichtig. Ich habe bei Wikipedia nachgeschaut: Das Bozener Bergsteigerlied, mit der Anfangszeile „Wohl ist die Welt so groß und weit“, gilt neben dem Andreas-Hofer-Lied als inoffizielle Hymne Südtirols. Der Text umfasst sieben Strophen mit jeweils demselben Refrain und wurde 1926 von Karl Felderer zur Melodie des hessischen Liedes „Der vergnügte Schreiner“ geschrieben, im Gasthaus Weber im Moos am Ritten.
An dem Ort, an dem Felderer den Text verfasste, ist eine Gedenktafel angebracht, die man hier sehen kann. Allerdings werden nur etwa vier Strophen gesungen, die letzte davon mit dem Aufruf zum Erheben.
Genau kann ich das nicht beurteilen, aber sicher wird nie der ganze Text gesungen. Der Text entstand in der Zeit der stärksten Italianisierung der nicht italienischsprachigen Bevölkerung Südtirols und erlangte deshalb schnell einen hohen Stellenwert im Selbstverständnis der Südtiroler. Das Lied verwendet den Namen Südtirol, der 1926 aufgrund der faschistischen Verbote im öffentlichen Leben nicht gebräuchlich war, und beschreibt gleichzeitig die geografische Ausdehnung Südtirols.
In der ersten Strophe wird mit dem Eisacktal und der Salurner Klause die Nord-Süd-Ausdehnung dargestellt. Die zweite Strophe beschreibt mit dem Ortler und dem Haunold die West-Ost-Ausdehnung. In den folgenden Strophen werden verschiedene Wahrzeichen Südtirols besungen, zum Beispiel der Schlern und der Rosengarten, eingebettet in den Lauf der Jahreszeiten – Frühling bis Winter jeweils eine Strophe. Die siebte und letzte Strophe nimmt Bezug auf das Jenseits. Wie gesagt, gesungen werden davon in der Regel nur die ersten vier Strophen.
Das Lied ist heute vor allem durch seine Verwendung im Trio des Bozner Bergsteigermarsches bekannt, der auch im gesamten Alpenraum sehr beliebt ist und gespielt wird. Der Marsch wurde 1949 von Wilhelm „Sepptanzer“ Panzer komponiert. In der Marschversion wird im Trio zunächst die erste Strophe gesungen, anschließend instrumental wiederholt. Felderer berichtete von einer Aufführung des Marsches anlässlich der 150-Jahr-Feier des Tiroler Freiheitskampfes 1959 in Innsbruck, bei der sich Tausende Menschen nach den ersten Klängen des Liedes erhoben und mitsangen.

